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21.10.2007

Tag 11
   
Kurztrip

"Die Stufen der Langeweile"


Yamadera, die Tempelstadt...

...oder, die Stadt der 1000 Stufen
8:00 Uhr: *der Wecker klingelt*
Ich gehe duschen und beeile mich ein bisschen, damit wir auch pünktlich den Zug erwischen. Heute geht es wieder Richtung Norden, was bedeutet, dass wir in Tokio umsteigen müssen, also sollten wir keinen unserer Züge verpassen.

8:15 Uhr
Wo wir gerade von Pünktlichkeit sprechen: jetzt habe ich nur noch eine viertel Stunde, bis wir los müssen und bin gerade mal im Bad fertig *hetz* „Los, beeilt Euch, ihr wollt doch den Zug nicht verpassen“ meldet sich so langsam auch Manfred.

8:30 Uhr
Mit ein wenig Beeilung klappt doch alles und wir können pünktlich losfahren.

9 Uhr
Unser Zug ist schon da, wir steigen ein und sind gespannt, an welche interessanten Orte er uns heute bringt…

9:20 Uhr
Bis Tokio geht es ja immer recht fix und für die große Strecke nach Yamagata müssen wir nun umsteigen. Da hier aber Endstation aller Shinkansen ist, steht unser Zug bereits am Gleis. Heute dürfen wir das erste Mal mit einem Doppeldecker fahren *freu*. Wir stellen uns natürlich so an, dass wir nach oben können, vielleicht sieht man ja so mal den Fuji-San *hoff*.

Endlich ist das Reiningungspersonal fertig und wir steigen ein. Wir ergattern uns zwei schöne Plätze, natürlich am Fenster ;-) Sofort kommt die Ernüchterung. Der Ausblick ist zwar schön, aber leider sind die Sitze nicht verstellbar :-(
Drei Stunden Zug fahren, ohne den Sitz zurück legen zu können *schnüff*, wie unbequem…

11:30 Uhr:
Der Zug bleibt stehen und alle Fahrgäste steigen aus… naja, die Lautsprecherdurchsage hat uns ja schon irgendwie vorgewarnt, dass der Zug hier Endstation haben wird. Schade… müssen wir mal schauen, wie wir von Sendai nun nach Yamadera kommen.

Nach kurzem Überblick über die Lage, sehen wir schon, dass eine JR-Linie (die sind mit unserem Railpass kostenlos) weiter bis nach Yamadera fährt, also dann los…


Wir beim Zugfahren...

...Japaner beim Zugfahren
12:30 Uhr
Nach einstündiger Fahrt durch die tiefste Provinz, sind wir nun endlich da *freu*.
Wir schauen uns um und entdecken sogleich, was uns bevorsteht. Hoch oben auf einem Berg sehen wir Tempelanlagen, die von uns besucht werden wollen.
Da wir nicht die einzigen sind, die das wohl vorhaben, suchen wir gar nicht erst eine Karte, sondern folgen einfach dem Besucherstrom… wird schon stimmen ?
Nach einigen Souvenirläden kommen wir an den Anfang einer langen Treppe. Die Stufen sind unregelmässig hoch und deswegen auch nicht wirklich gut zu besteigen, aber wir sind guten Mutes und wandern den Berg hinauf. Überall auf dem Weg sind Statuen und Lampen zu finden, bei denen haufenweise Münzen liegen. Wenn dies in Deutschland läge, wäre das ganze Geld bestimmt ratzefatz weg, aber hier liegen tausende von Yen sozusagen auf der Strasse. Da wir es uns nicht mit Buddah verscherzen wollen, mit welchem auch immer, lassen wir auch schön die Finger von den Münzen und konzentrieren uns ganz auf den Aufstieg… ist auch schon schwer genug.
Später erfahren wir von Manfred, dass es wohl an die Tausend Stufen sind *keuch* kommt uns gerade auch schon so vor ;-)

Oben angekommen erwartet uns ein einmaliger Ausblick über das Tal von Yamadera. Wir genießen eine Weile diesen Anblick, beobachten die unterschiedlichsten Japaner, die als Sonntagsausflug ihre Kinder die 1000 Stufen hoch zerren, erholen uns selbst noch ein wenig von den Strapazen des Aufstiegs und begeben uns dann langsam wieder hinunter ins Tal.


auch diese Tempel sollte man gereinigt betreten


So siehts von unten aus...


Der Eingang zur Tempelstadt


Der Aufstieg, nicht jeder bewältigt ihn auf den eigenen Pfoten


Der Ausblick lohnt die Anstrengung


Eine kühle Brise erfrischt uns


...so siehts von oben aus

14:10
Wir haben leider vorher vergessen zu schauen, wann denn hier die Züge fahren und so überrascht uns der Fahrplan damit, dass wir hier noch fast eine Stunde auf den Zug warten müssen.
Wir begeben uns aber schon mal auf den Bahnsteig, in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch ein Zug vorbei kommt, den wir nehmen können. Aus Langeweile fallen uns die besten Dinge ein, die wir mit einem Fotoapparat so knipsen können, wir singen laut Karnevalslieder und nutzen es so richtig aus, dass uns keiner versteht. Was soll man sonst auch eine Stunde lang auf einem Provinzbahnhof anstellen?!

Deutsche vertreiben sich die Zeit...
15:50
Wieder in Sendai angekommen reservieren wir uns zunächst einmal unsere Rückfahrt Tickets, damit uns auch ein Sitzplatz sicher ist und begeben uns dann, vom Hunger der 1000 Stufen geplagt zu einem Schottischen Feinkostrestaurant, da wir keine Lust hatten uns schon wieder entscheiden zu müssen, was wir denn nun essen wollen.

Die Bahn kommt...

20 Uhr
Wir sind wieder zurück in Yokohama und müssen nur noch schnell mit der bekannten Tohoku-Linie nach Hioshi, wo uns dann Tomoko abholen kann. Wir gehen vom Bahnhof der JR-Linie den Transferweg zur Tohokuku und dann mit wedelnden Railwayausweisen zum Wärterhäuschen.
Der ist gerade beschäftigt, aber wir warten wie immer, bis er geguckt hat und was sagt. Er wedelt mit der Hand vor seinem Gesicht und wir verstehen „Go, Go!“. Also los auf den Bahnsteig… „Wo sind denn die Automaten für die Tickets?“ Schließlich wissen wir dass Tohokuku nicht mit unserem Ticket zu fahren ist. *schulterzuck* „Der wird schon einen Grund gehabt haben uns durch zu lassen :-) Dummerweise lesen wir natürlich falsch, fahren in die falsche Richtung und düsen eine halbe Stunde mit der Bahn in der Gegend rum.
Endlich in Hioshi angekommen gehen wir immer noch recht unbedarft zum Wärterhäuschen und halten unsere Ausweise hin. Ein nervöser Bahnbeamter, der wohl gehofft hat, dass wir, die Kriminellen, die nicht zahlen und einen Großalarm ausgelöst haben, nicht wirklich bei ihm aussteigen würden, verlangt dann eine Nachzahlung von uns. Ganz cool bezahlen wir, grinsen ihn freundlich an und gehen. Im Nachhinein machen wir uns aber klar, dass wir bestimmt die ganze Fahrt über mit Kameras beobachtet wurden, damit wir nicht verloren gehen… die dachten bestimmt, die Fahrt in die falsche Richtung sei ein schlau eingefädelter Schachzug von uns gewesen.

21 Uhr
Die Planung für den morgigen Tag wird recht schwierig, da zurzeit ein Taifun über Japan seine Kreise zieht und schlechtes Wetter überall dort ist, wo es was zu sehen gibt. So bleibt uns nur noch die Planung in den Norden zu fahren… mal schauen, was wir so entdecken werden *hoff*…

 
Ägypten